Was ist Agri-PV? Der Leitfaden 2026 zu Technik, Förderung und Wirtschaftlichkeit

Agri-PV verbindet Landwirtschaft und Solarstrom auf derselben Fläche. Dieser Leitfaden erklärt B2B-Entscheidern und Investoren, wie Agri-Photovoltaik nach DIN SPEC 91434 definiert ist, welche Bauformen es gibt, wie die EEG-Vergütung 2026 aussieht, was eine Agri-PV-Anlage kostet und welche Rendite realistisch ist — jede Zahl mit Primärquelle und Stand.

160–186 %
Flächeneffizienz (LER) der Doppelnutzung (Fraunhofer ISE)
900–1.700 €/kWp
Investitionskosten je nach Bauform (Fraunhofer ISE)
~7,09 ct/kWh
EEG-Vergütung Agri-PV bis 1 MW (2026)
ab 100.000 €
Mindestinvestition Eigenkapital (Direktinvestment)

Was ist Agri-PV und warum steigt die Flächeneffizienz auf über 160 Prozent?

Kurz gesagt: Agri-PV nutzt dieselbe Fläche doppelt: Solarmodule stehen aufgeständert über oder senkrecht zwischen den Kulturen, der Anbau läuft darunter weiter. Gemessen wird der Effekt am Land Equivalent Ratio (LER). Die Fraunhofer-ISE-Anlage Heggelbach erreichte 160 Prozent im Normaljahr 2017 und 186 Prozent im Dürrejahr 2018 — ein Hektar liefert Ertrag von bis zu 1,86 Hektar.

Der Land Equivalent Ratio (LER) beschreibt, wie viel Fläche man in getrennter Nutzung bräuchte, um denselben Gesamtertrag aus Strom und Ernte zu erzielen. Werte über 100 Prozent bedeuten einen Flächengewinn durch die Kombination. Fraunhofer ISE beziffert den LER seiner Referenzanlagen auf 1,6 bis 1,86 (Fraunhofer ISE, Leitfaden Agri-Photovoltaik). Diese Doppelernte aus Solarstrom und Feldfrucht steigert die Flächennutzung deutlich, ohne die Landwirtschaft zu verdrängen.

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Der Vorteil wächst in Trockenjahren: Die Teilverschattung senkt die Verdunstung am Boden und mindert Hitzestress der Pflanzen. In Heggelbach lag der Kartoffelertrag 2018 um 11 Prozent über der Freilandreferenz (Trommsdorff et al. 2021). Damit adressiert Agri-PV die Flächenkonkurrenz zwischen Energie und Ernährung, die reine Freiflächen-Photovoltaikanlagen auslösen.

Definition und rechtlicher Rahmen nach DIN SPEC 91434

Kurz gesagt: Die DIN SPEC 91434:2021-05 definiert Agri-PV verbindlich. Kategorie I sind hoch aufgeständerte Anlagen mit mindestens 2,10 Metern lichter Höhe und maximal 10 Prozent Flächenverlust. Kategorie II umfasst bodennahe und vertikale Anlagen mit maximal 15 Prozent Flächenverlust. In beiden Fällen muss die Fläche mindestens 66 Prozent ihres landwirtschaftlichen Referenzertrags behalten — sonst gilt sie nicht als Agri-PV.

Die DIN SPEC 91434 legt die Mindestanforderungen an die landwirtschaftliche Hauptnutzung fest — die Nahrungsmittelproduktion hat dabei Vorrang vor der Solarstromerzeugung. Der zentrale Unterschied zur klassischen Freiflächen-Photovoltaik ist der Flächenstatus: Bei Agri-PV bleibt die Fläche land- oder forstwirtschaftliches Vermögen und wird nach Grundsteuer A veranlagt; eine reine Freiflächenanlage wandelt sie in Grundvermögen mit Grundsteuer B (Ländererlasse vom 15.07.2022). Auch GAP-Direktzahlungen bleiben auf 85 bis 90 Prozent der Fläche erhalten (§ 12 GAP-Direktzahlungen-Verordnung). Seit 2024 ergänzt die DIN SPEC 91492:2024-06 die Norm um Anforderungen an die Nutztierhaltung unter Agri-PV.

Agri-PV nach DIN SPEC 91434 im Vergleich zur klassischen Freiflächen-PV
KriteriumAgri-PV (Kat. I / Kat. II)Freiflächen-PV
Landwirtschaftliche NutzungHauptnutzung, Referenzertrag ≥ 66 %Fläche entzogen, reine Stromproduktion
Max. Flächenverlust10 % (Kat. I) / 15 % (Kat. II)nicht anwendbar
FlächenstatusAckerland / Dauergrünland bleibtSonderbaufläche
GrundsteuerGrundsteuer AGrundsteuer B
GAP-Direktzahlungenja, auf 85–90 % der Flächenein
Baurecht Außenbereichprivilegiert bis 2,5 ha hofnahnur per Bebauungsplan
Quellen: DIN SPEC 91434:2021-05; Ländererlasse 15.07.2022 (BStBl I 2022, 1226); § 12 GAPDZV; § 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB.

Welche Bauformen und Agri-PV-Technologien es gibt

Kurz gesagt: Vier Bauformen dominieren. Hoch aufgeständerte Anlagen (Kategorie I) über Obst, Wein und Hopfen liefern 500 bis 700 kWp je Hektar. Vertikale bifaziale PV-Module nach Next2Sun-Prinzip (Kategorie II) passen zu Grünland und Ackerbau. Dazu kommen nachgeführte Systeme und lichtdurchlässige Glas-Glas-Module. Die Investitionskosten reichen je nach Bauform von 700 bis 1.700 Euro je kWp.

Hoch aufgeständerte Agri-PV-Systeme stehen mit mindestens 2,10 Metern lichter Höhe über der Kultur, sodass auch große landwirtschaftliche Maschinen darunter arbeiten. Sie eignen sich für Dauerkulturen wie Obst, Beeren, Wein und Hopfen und bieten diesen zugleich Schutz vor Hagel, Frost und starker Sonne. Lichtdurchlässige oder semitransparente PV-Module steuern gezielt, wie viel Licht die Kultur erhält.

Nachgeführte Systeme (Tracker) optimieren die Solarstromproduktion, indem sie die PV-Module dem Sonnenstand folgen lassen; das steigert Ertrag und Marktwert, verursacht aber Mehrkosten. Für lichthungrige Kulturen wie Getreide sind Agri-PV-Systeme mit größeren Modulabständen nötig. Vertikale Agri-PV nach dem Next2Sun-Prinzip stellt bifaziale PV-Module senkrecht in Reihen und erzeugt ihren PV-Strom bevorzugt morgens und abends, was das Einspeiseprofil glättet.

Agri-PV-Bauformen im Überblick: Leistung, Kosten und typische Kultur
BauformKategorieLeistung/haCAPEX (€/kWp)Typische Kultur
Hoch aufgeständertI (≥ 2,10 m)500–700 kWp1.500–1.700Obst, Beeren, Wein, Hopfen
Vertikal bifazial (Next2Sun)II200–390 kWp700–1.000Grünland, Ackerbau, Beweidung
Nachgeführt (Tracker)I400–700 kWp+10–20 % ggü. fixSonderkulturen
Lichtdurchlässige Glas-Glas-ModuleI500–650 kWpPremium-SegmentApfel, Beeren (Hagelschutz)
Bodennahe fixe TischeII600–900 kWp800–1.100Extensivgrünland, Weide
Quelle: Fraunhofer ISE, Studie Stromgestehungskosten 2024; Next2Sun; DIN SPEC 91434, Abschnitt 4.

EEG-Vergütung 2026 und BNetzA-Ausschreibungen für Agri-PV

Kurz gesagt: Kleine Agri-PV-Anlagen bis 1 MW erhalten den anzulegenden Wert von 6,59 ct/kWh (feste Einspeisevergütung 6,19 ct/kWh) plus 0,5 ct/kWh Technologiebonus für hoch aufgeständerte Systeme — rund 7,09 ct/kWh. Größere Anlagen bieten in der Ausschreibung „besondere Solaranlagen" mit Höchstwert 9,5 ct/kWh und einem Bonus von 2,5 ct/kWh — beide unter EU-Beihilfevorbehalt.

Agri-PV ist im EEG 2023 als „besondere Solaranlage" nach § 48 Abs. 1 Satz 1 Nr. 5 verankert (Ackerbau, Dauerkulturen, Dauergrünland). Für Anlagen bis 1 MW gilt der gesetzlich bestimmte anzulegende Wert von 6,59 ct/kWh; die feste Einspeisevergütung liegt bei 6,19 ct/kWh (§ 48 Abs. 1, § 49 EEG 2023; LfL Bayern, Stand 31.01.2026). Werte gelten seit 01.08.2026, nächste Degression 01.02.2027, Stand 01.08.2026.

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Größere Agri-PV-Anlagen laufen über die Ausschreibung für besondere Solaranlagen. Der Höchstwert liegt bei 9,5 ct/kWh (§ 37b Abs. 2 EEG 2023), dazu kommt ein Bonus von 2,5 ct/kWh (§ 48 Abs. 1b EEG 2023). Beide Werte stammen aus dem Solarpaket I und stehen unter dem Vorbehalt der EU-beihilferechtlichen Genehmigung, die zum Stand 31.01.2026 noch nicht erteilt war. Das Untersegment umfasst 2026 ein Volumen von 1.200 MW (§ 37d EEG 2023). Die Investment-Perspektive vertiefen die Beiträge zum Agri-PV-Freiflächen-Investment 2026 und zu Agri-PV Italien für Investoren.

EEG-2026-Regelungen für Agri-PV: Werte, Paragraphen und Status
RegelungParagraphWert 2026Status
Anzulegender Wert bis 1 MW§ 48 Abs. 1 EEG 20236,56 ct/kWh (feste Verg. 6,19 ct)gültig; Degression 01.08.2026
Technologiebonus hoch aufgeständert§ 38b EEG 20230,5 ct/kWhgültig (Übergangsregelung)
Bonus besondere Solaranlagen§ 48 Abs. 1b EEG 2023+2,5 ct/kWhEU-Beihilfevorbehalt
Höchstwert Ausschreibung§ 37b Abs. 2 EEG 20239,5 ct/kWhEU-Beihilfevorbehalt
Untersegment-Volumen 2026§ 37d EEG 20231.200 MWoperativ
Deckel PV auf Landw.-Flächen§ 37 Abs. 4 EEG 202380 GW bis 2030gültig
Quellen: §§ 37b, 37d, 38b, 48, 49 EEG 2023; LfL Bayern (Stand 31.01.2026); Bundesnetzagentur.

Baurecht, Flächenstatus und Steuer

Kurz gesagt: Seit dem Solarpaket I sind hofnahe Agri-PV-Anlagen bis 2,5 Hektar im Außenbereich privilegiert (§ 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB) — ein Bebauungsplan entfällt. Die Fläche bleibt landwirtschaftliches Vermögen mit Grundsteuer A, GAP-Direktzahlungen bleiben auf 85 bis 90 Prozent erhalten. Für gewerbliche Anlagen ist der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG anwendbar.

Die baurechtliche Privilegierung nach § 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB gilt für Anlagen im Zusammenhang mit einem landwirtschaftlichen Betrieb bis 2,5 Hektar. Größere Projekte benötigen weiterhin einen Bebauungsplan oder laufen über die Flächenkulisse des EEG.

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Steuerlich behandelt der Fiskus Agri-PV wie land- und forstwirtschaftliches Vermögen — mit Vorteilen bei Grund-, Erbschaft- und Grunderwerbsteuer. Für gewerbliche Betreiber ist zusätzlich der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG relevant; wie der IAB mit der PV-Steuerbefreiung zusammenspielt, erläutert der Leitfaden zum Investitionsabzugsbetrag für Photovoltaik.

Was eine Agri-PV-Anlage kostet und welche Rendite realistisch ist

Kurz gesagt: Die Investitionskosten für Agri-PV liegen bei rund 900 bis 1.700 Euro je kWp für Anlagen von 0,5 bis 2 MWp (Fraunhofer ISE) — höher als bei ebenerdiger Freifläche wegen der aufwendigeren Unterkonstruktion. Im Portfolio der Firmengruppe Helm liegt die Rendite typischerweise bei 7 bis 8 Prozent p. a. (Portfoliodaten 2024). Renditeangaben sind keine Garantie zukünftiger Ergebnisse.

Die Spanne der Investitionskosten hängt stark von der Bauform ab: Hoch aufgeständerte Kategorie-I-Anlagen liegen mit 1.500 bis 1.700 Euro je kWp am oberen Rand, vertikale bifaziale Systeme mit 700 bis 1.000 Euro je kWp deutlich darunter. Höhere Unterkonstruktion, größere Modulabstände und teils Nachführung erklären den Aufschlag gegenüber der reinen Freiflächenanlage.

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Für Flächeneigentümer ist die Pacht der zentrale Hebel. Für Agri-PV in Doppelnutzung liegt sie in Deutschland bei 1.000 bis 3.500 Euro je Hektar und Jahr (Logic Energy / Firmengruppe Helm, Portfoliodaten 2024). Die vollständigen Pachtmodelle, Vertragsklauseln und den Ablauf zeigt die Seite zur Verpachtung von Flächen für Solarparks.

Agri-PV-Kennzahlen: Kosten, Rendite und Pacht
KennzahlWertQuelle
CAPEX Agri-PV (0,5–2 MWp)900–1.700 €/kWpFraunhofer ISE
Rendite Agri-PV (typisch)7–8 % p. a.Firmengruppe Helm, 2024
Pacht Doppelnutzung (DE)1.000–3.500 €/ha/JahrLogic Energy, 2024
Mindestinvestitionab 100.000 € EigenkapitalLogic Energy

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Welche Kulturen mit Agri-PV kompatibel sind

Kurz gesagt: Am besten eignen sich schattentolerante Dauer- und Sonderkulturen. Apfel, Beerenobst, Hopfen und Wein profitieren unter hoch aufgeständerten Anlagen sogar durch Hagel-, Frost- und UV-Schutz. Grünland und Kleegras passen zu vertikalen Anlagen. Kartoffeln und Winterweizen sind je nach Jahr akzeptabel bis gut. Hochwüchsige, lichthungrige Kulturen wie Mais und Sonnenblumen eignen sich nicht.

Am weitesten entwickelt ist Agri-PV bislang im Obst- und Weinbau sowie im Beerenanbau, wo die Module hochwertige Kulturen zusätzlich schützen. Der Ertragseffekt hängt von Kultur, Jahr und Bauform ab. In Heggelbach lag Sellerie 2018 um 12 Prozent über der Freilandreferenz, Kartoffeln schwankten zwischen −20 Prozent im Normaljahr und +11 Prozent im Dürrejahr (Weselek et al. 2021). Für viele Betriebe wiegt die planbare Stromeinnahme leichte Ertragseinbußen auf.

Kultur-Eignung für Agri-PV mit empfohlener Kategorie und Ertragseffekt
KulturEignungEmpfohlene KategorieErtragseffekt
Apfel, Beerenobstsehr gutKat. I, lichtdurchlässigSchutz > Ertragseinbuße
Hopfensehr gutKat. I, 7 m Höhestabil, Frostschutz
WeingutKat. IPilz- und UV-Schutz
KartoffelngutKat. I / II−20 bis +11 %
WinterweizenakzeptabelKat. I / II−19 bis +3 %
Kleegras / Grünlandsehr gutKat. II vertikal−5 bis −8 %, stabil
Mais / Sonnenblume / Sojaungeeignetzu hoher Lichtbedarf
Quelle: Weselek et al. 2021; Trommsdorff 2023; DIN SPEC 91434, Anhang.

Sieben Synergien für die Landwirtschaft

Kurz gesagt: Agri-PV bietet mehr als Strom: Teilverschattung senkt Hitze- und Dürrestress, aufgeständerte Module schützen vor Hagel und Frost, die Verdunstung sinkt. Dazu kommen ein zweites, wetterunabhängiges Standbein aus der Stromeinnahme, Schutz vor Starkregen-Erosion, bessere Tierwohl-Bedingungen bei Weidehaltung und ein Beitrag zur Biodiversität durch extensive Pflege unter den Modulen.

Der stärkste agronomische Effekt zeigt sich in Extremjahren. Weil die Module die Verdunstung senken und die Bestandstemperatur dämpfen, fielen die Ertragseinbußen 2018 geringer aus als im Normaljahr — bei einzelnen Kulturen kippte der Effekt sogar ins Plus. Ein vorläufiges Einjahresergebnis der LfL-Demonstrationsanlage Grub zeigte bei Sommergerste bis zu 10 Prozent höhere Erträge (TFZ Straubing / LfL Bayern, April 2025).

So entsteht eine Win-win-Situation: Landwirtinnen und Landwirte sichern ihre Ernte und erzeugen zugleich PV-Strom — ein Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende, der die Landnutzung optimiert und sich mit extensiver Pflege und Naturschutz unter den Modulen verbinden lässt.

Marktpotenzial in Deutschland und sieben Referenzanlagen

Kurz gesagt: Fraunhofer ISE beziffert das technische Potenzial für Agri-PV in Deutschland auf rund 1.700 GWp; bereits die Umwidmung von 4 Prozent der Ackerfläche würde große Teile des Solarziels decken. Das EEG deckelt PV auf landwirtschaftlichen Flächen bei 80 GW bis 2030 (§ 37 Abs. 4 EEG 2023). Sieben Referenzanlagen belegen den Weg von der Pilot- zur Marktphase.

Sieben Referenzanlagen markieren die Entwicklung von der Pilot- zur Marktphase — von der Fraunhofer-ISE-Anlage Heggelbach (2016) bis zum vertikalen bifazialen Solarpark Löffingen mit 4,3 MWp (2024). Die Bandbreite reicht von 194 kWp über Mischfrucht bis zu Mehr-Megawatt-Anlagen über Grünland und Ackerbau mit Rinderhaltung.

Sieben deutsche Agri-PV-Referenzanlagen von Heggelbach bis Löffingen
ProjektLeistungTechnologieKulturInbetriebnahme
Heggelbach (BW)194 kWpKat. I, 5 m aufgeständertMischfrucht09/2016
Eppelborn-Dirmingen (SL)2 MWpKat. II, vertikal bifazialGrünland09/2018
Donaueschingen-Aasen (BW)4,1 MWpKat. II, vertikal bifazialGrünland07/2020
Gelsdorf (RLP)258 kWpKat. I, lichtdurchlässig, TrackerApfel05/2021
Kressbronn (BW)239 kWpKat. I, semitransparent 3,5 mApfel05/2022
Au i.d. Hallertau (BY)~740 kWpKat. I, 7 mHopfen07/2023
Löffingen (BW)4,3 MWpKat. II, vertikal bifazialAckerbau + Grünland + Rinder11/2024

Agri-PV-Forschung und Modellregionen

Getragen wird diese Entwicklung von der Agri-PV-Forschung. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE errichtete mit der Forschungsanlage Heggelbach die erste große Pilotanlage in Deutschland; die Modellregion Agri-PV Baden-Württemberg testet an mehreren Standorten unterschiedliche Agri-PV-Systeme und Kulturen, und die LfL Bayern vergleicht an der Demonstrationsanlage Grub drei Systemtypen. Diese Forschung liefert die belastbaren Ertrags- und Flächennutzungsdaten, auf denen Planung und Wirtschaftlichkeit aufbauen.

Internationaler Vergleich: Japan, Frankreich, Italien

Kurz gesagt: Japan gilt als Pionier mit rund 300 MW auf etwa 2.000 Farmen. Frankreich regelt Agri-PV seit 2024 per Décret 2024-318 und zahlt 2.000 bis 5.000 Euro je Hektar Pacht. Italien fördert Agrivoltaik über das PNRR-Programm mit Kapitalzuschuss bis 40 Prozent und Zieltarif — ein für Investoren besonders attraktiver Markt.

Eigene Förderregime treiben den Ausbau: Während Deutschland Agri-PV über das EEG und die Flächenprivilegierung steuert, arbeitet Italien mit einem direkten Kapitalzuschuss aus dem Dekret DM 436/2023. Für Kapitalanleger ist der italienische Markt daher gesondert interessant; Details, Förderhöhen und Fristen behandelt der Leitfaden zu Agri-PV Italien als Investment.

Agri-PV international: Leistung, Rahmen und Förderung
LandLeistungRahmenPacht / Förderung
Japan~300 MW, ~2.000 FarmenMETI-FIT seit 20138,98–16 JPY/kWh
Frankreich> 200 ProjekteDécret 2024-3182.000–5.000 €/ha Pacht
ItalienZiel 1,04 GWpPNRR / DM 436/2023bis 40 % Zuschuss + 20-J.-Tarif
Deutschland~14–16 MWp + PipelineDIN SPEC + EEG 2023 + BauGB1.000–3.500 €/ha; ~7,09 ct/kWh
Quellen: METI/IEA-PVPS; Légifrance; GSE; Fraunhofer ISE; LfL Bayern 2026.

Grenzen und berechtigte Kritik an Agri-PV

Kurz gesagt: Agri-PV ist kein Selbstläufer. Die Investitionskosten liegen über der ebenerdigen Freifläche, hoch aufgeständerte Systeme rechnen sich vor allem bei hochwertigen Sonderkulturen. Nicht jede Kultur verträgt Teilverschattung, die Bewirtschaftung mit Großmaschinen ist eingeschränkt, und die renditewirksamen Boni stehen unter EU-Beihilfevorbehalt.

Die höhere Unterkonstruktion und größere Modulabstände senken die installierbare Leistung je Hektar gegenüber der Freifläche und heben die spezifischen Kosten. Damit hängt die Wirtschaftlichkeit stärker vom Standort, der Kultur und der Förderzuteilung ab. Solange die beihilferechtliche Genehmigung für die Boni aussteht, bleibt ein Teil der Kalkulation mit Unsicherheit behaftet — ein Punkt, den seriöse Planung offenlegt.

Agri-PV 2026 bis 2030: EEG-Novelle, CfD und Solarpaket II

Kurz gesagt: Der Rahmen bleibt in Bewegung. Die halbjährliche Degression senkt die Vergütung weiter, ab 2027 kommen die Direktvermarktungspflicht für Neuanlagen und die Umstellung auf Differenzverträge (CfD). Die renditewirksamen Agri-PV-Boni warten weiter auf die EU-Beihilfegenehmigung. Wer investiert, sollte den Regulierungsstand kurz vor Projektstart erneut prüfen.

Für Investoren mit Blick auf die kommende CfD-Pflicht bündelt der Beitrag zur CfD-Pflicht 2027 für PV-Investoren die Folgen der Umstellung. Grundsätzliche Renditelogik, Laufzeiten und die Direktinvestment-Struktur behandelt der Leitfaden dazu, ob sich Photovoltaik als Kapitalanlage lohnt.

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💡 Wichtiger Hinweis: Dieser Inhalt dient ausschließlich der allgemeinen Information über Agri-PV als Technologie und Investitionsmodell. Er stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Renditeangaben und wirtschaftliche Darstellungen basieren auf Erfahrungswerten und Modellrechnungen — sie sind keine Garantie zukünftiger Ergebnisse. Für Ihre individuelle Situation wenden Sie sich bitte an einen zugelassenen Finanz- oder Steuerberater. mediplan Helm e.K. und Logic Energy sind keine zugelassenen Finanz- oder Steuerberater. Viele unserer Investoren nutzen steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten wie den Investitionsabzugsbetrag (IAB) nach §7g EStG — sprechen Sie mit Ihrem Steuerberater über die Möglichkeiten in Ihrem konkreten Fall. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: April 2026.

FAQ

Was ist Agri-PV einfach erklärt?

Agri-PV ist eine Solaranlage, die eine landwirtschaftliche Fläche gleichzeitig für Stromerzeugung und Anbau nutzt. Die Module stehen aufgeständert über oder senkrecht zwischen den Kulturen, sodass Ernte und Solarstrom auf demselben Acker entstehen (DIN SPEC 91434:2021-05).

Wie viel Pacht bekommt ein Landwirt für Agri-PV?

Für Agri-PV in Doppelnutzung liegt die Pacht in Deutschland bei 1.000 bis 3.500 Euro je Hektar und Jahr (Logic Energy / Firmengruppe Helm, Portfoliodaten 2024). Die genaue Höhe hängt von Standort, Netzanschluss und Bauform ab.

Wie hoch ist die EEG-Vergütung für Agri-PV 2026?

Anlagen bis 1 MW erhalten 6,59 ct/kWh anzulegenden Wert plus 0,5 ct/kWh Technologiebonus, also rund 7,09 ct/kWh (§ 48, § 38b EEG 2023; Stand 31.01.2026). Größere Anlagen bieten bis 9,5 ct/kWh über die Ausschreibung, unter EU-Beihilfevorbehalt. Zum 01.08.2026 greift die nächste Degression.

Bleibt der Ackerstatus bei Agri-PV erhalten?

Ja. Bei normgerechter Agri-PV nach DIN SPEC 91434 bleibt die Fläche land- und forstwirtschaftliches Vermögen mit Grundsteuer A, und GAP-Direktzahlungen bleiben auf 85 bis 90 Prozent erhalten (Ländererlasse 15.07.2022; § 12 GAPDZV).

Welche Kulturen eignen sich für Agri-PV?

Am besten schattentolerante Dauer- und Sonderkulturen: Apfel, Beeren, Hopfen und Wein profitieren durch Hagel- und Frostschutz, Grünland passt zu vertikalen Anlagen. Hochwüchsige, lichthungrige Kulturen wie Mais und Sonnenblumen eignen sich nicht (Weselek et al. 2021).

Was ist der Unterschied zwischen Kategorie I und Kategorie II?

Kategorie I sind hoch aufgeständerte Anlagen mit mindestens 2,10 Metern lichter Höhe und maximal 10 Prozent Flächenverlust. Kategorie II umfasst bodennahe und vertikale Anlagen mit maximal 15 Prozent Flächenverlust (DIN SPEC 91434:2021-05, Abschnitt 4).

Braucht Agri-PV einen Bebauungsplan?

Hofnahe Anlagen bis 2,5 Hektar sind im Außenbereich privilegiert und benötigen keinen Bebauungsplan (§ 35 Abs. 1 Nr. 9 BauGB). Größere Projekte laufen über einen Bebauungsplan oder die EEG-Flächenkulisse.

Wichtiger Hinweis: Die Angaben auf dieser Seite sind allgemeine Informationen zu Agri-Photovoltaik und stellen keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Kosten-, Pacht- und Renditeangaben sind Marktrichtwerte und Erfahrungswerte aus realen Projekten der Firmengruppe Helm — keine Garantie für künftige Ergebnisse. EEG-Sätze gelten für die genannten Stichtage und sinken durch die halbjährliche Degression; die renditewirksamen Boni für besondere Solaranlagen stehen unter EU-Beihilfevorbehalt. Angaben zu Förder- und Steuerrecht können sich kurzfristig ändern; maßgeblich ist der jeweils geltende Gesetzestext. Vertragspartner für PV-Direktinvestments ist die mediplan Helm e.K. Jede Investitionsentscheidung gehört individuell mit einem zugelassenen Berater geprüft. Alle Angaben ohne Gewähr. Stand: August 2026.