Momentanreserve: Ein neuer Markt macht Batteriespeicher noch attraktiver

a mondern building with vertical photovoltaic systems

Excerpt

Am 22. Januar 2026 ist in Deutschland ein neuer Markt für Momentanreserve gestartet. Erstmals können Batteriespeicher an dieser Systemdienstleistung teilnehmen und damit zusätzliche Erlöse erzielen. Was das für PV-Investoren bedeutet – Chancen, Risiken und konkrete Zahlen.

  • Deutschland hat einen neuen Markt für Momentanreserve gestartet. Erstmals dürfen Batteriespeicher mitmachen – nicht nur klassische Kraftwerke. Für Investoren bedeutet das: PV-Anlagen mit Speicher können künftig eine zusätzliche Einnahmequelle erschließen. Die Vergütung ist planbar (Festpreise über 2–10 Jahre), die Anforderungen sind anspruchsvoll, und regulatorische Risiken bestehen. Trotzdem: Wer langfristig denkt, sollte diesen Markt im Blick behalten.

Seit Januar 2026 können erstmals Batteriespeicher am Markt für Momentanreserve teilnehmen. Was bedeutet das für Ihre PV-Investition – und warum könnte jetzt der richtige Zeitpunkt sein, Speicher mitzudenken?

photovoltaic systems on an industrial roof with a cityscape in the background

Das Stromnetz braucht ein Sicherheitsnetz

Stellen Sie sich das Stromnetz wie ein Orchester vor. Damit es harmonisch klingt, müssen alle Instrumente im gleichen Takt spielen. Im Stromnetz ist dieser Takt die Frequenz: exakt 50 Hertz.

Sobald mehr Strom verbraucht als erzeugt wird, sinkt die Frequenz. Wird mehr erzeugt als verbraucht, steigt sie. Beides ist problematisch – und muss innerhalb von Sekundenbruchteilen ausgeglichen werden.

Genau hier kommt die Momentanreserve ins Spiel. Sie ist das schnellste Sicherheitsnetz des Stromnetzes: eine automatische Reaktion, die Ungleichgewichte in wenigen Millisekunden bis 30 Sekunden abfängt – noch bevor andere Regelungsmechanismen greifen.

Bisher übernahmen diese Aufgabe vor allem Kohle- und Gaskraftwerke. Ihre schweren, rotierenden Turbinen speichern kinetische Energie und geben sie bei Frequenzschwankungen automatisch ab. Das Problem: Diese Kraftwerke werden abgeschaltet. Und damit verschwindet auch ihre stabilisierende Wirkung.

Ein neuer Markt öffnet die Tür für Speicher

Am 22. Januar 2026 haben die deutschen Übertragungsnetzbetreiber einen neuen Markt gestartet. Statt die Momentanreserve als kostenloses Nebenprodukt fossiler Kraftwerke zu behandeln, wird sie nun gezielt eingekauft – und zwar von allen, die sie liefern können.

Das Entscheidende: Erstmals dürfen auch Batteriespeicher teilnehmen.

Technisch funktioniert das über sogenannte „netzbildende Wechselrichter". Sie können das Verhalten rotierender Massen nachahmen und bei Frequenzabweichungen blitzschnell reagieren. Noch sind solche Wechselrichter nicht Standard, aber die Technologie entwickelt sich rasant.

Was wird vergütet – und wie viel?

Der Markt unterscheidet vier Produkte: Basis und Premium, jeweils in positiver und negativer Ausprägung. Der Unterschied liegt in der geforderten Verfügbarkeit.

Produkt Mindest-Verfügbarkeit Vergütung pro MWs/Jahr
Premium I 90 % I 805 – 888 €
Basis I 30 % I 76 – 110 €

Die Vergütung bezieht sich auf die Verfügbarkeit, nicht auf den tatsächlichen Abruf. Das macht die Einnahmen planbar. Verträge laufen zwischen 2 und 10 Jahren – mit festgeschriebenem Preis über die gesamte Laufzeit.

Ein Rechenbeispiel: Ein Speicher mit 1 MW Leistung und entsprechender Zertifizierung kann im Premium-Segment rund 20.000 Euro pro Jahr zusätzlich erlösen. Bei größeren Anlagen skaliert das entsprechend.

two people wearing safety helmets holding up a plan in front of a photovoltaic system

Warum das für PV-Investoren relevant ist

Batteriespeicher sind längst fester Bestandteil vieler PV-Projekte. Sie erhöhen den Eigenverbrauch, ermöglichen die Teilnahme am Stromhandel und puffern Erzeugungsspitzen ab.

Der neue Momentanreserve-Markt fügt eine weitere Erlösschicht hinzu. Analysen von Aurora Energy Research zeigen: Die Integration von Momentanreserve kann den Nettobarwert eines Speicherprojekts um bis zu 14 Prozent steigern.

Dabei muss nicht die gesamte Speicherkapazität für Momentanreserve reserviert werden. Schon mit 30 Prozent Leistungsvorhaltung lässt sich das Basisprodukt bedienen – ohne andere Vermarktungswege einzuschränken.

Kurz gesagt: Speicher werden vielseitiger. Und vielseitigere Speicher bedeuten stabilere Renditen.

Die Risiken: Regulierung bleibt der Elefant im Raum

So vielversprechend der neue Markt klingt – es gibt Unsicherheiten. Die größte heißt Netzentgelte.

Aktuell laufen unter dem Stichwort „AGNES" Diskussionen darüber, wie Speicher künftig für ihre Netznutzung bezahlen sollen. Je nach Ausgang könnten die Kosten erheblich steigen:

  • Energiebasierte Netzentgelte würden den internen Zinsfuß um etwa 4,6 Prozentpunkte drücken.

  • Kapazitätsbasierte Netzentgelte (wie in den Niederlanden diskutiert) könnten ihn um bis zu 13 Prozentpunkte senken – und den Business Case praktisch zerstören.

Für Investoren bedeutet das: Der Momentanreserve-Markt ist ein Baustein, aber kein Fundament. Die Wirtschaftlichkeit eines Speicherprojekts sollte auch ohne diese Erlöse funktionieren.

Technische Hürden: Nicht jeder Speicher qualifiziert sich

Der Zugang zum Markt ist an technische Voraussetzungen geknüpft. Batteriespeicher müssen:

  • Über netzbildende Wechselrichter verfügen

  • Ein entsprechendes Zertifikat nachweisen

  • Bestimmte Verfügbarkeitsanforderungen erfüllen

Derzeit können das nur wenige Systeme. Doch die Entwicklung schreitet voran. Erste Hersteller haben bereits Zertifizierungen für den netzbildenden Modus erhalten.

Für neue Projekte heißt das: Wer heute plant, sollte die Momentanreserve-Fähigkeit als Option mitdenken – auch wenn sie nicht sofort genutzt wird.

two women and a man in front of a photovoltaic system on grass

Was das für unsere Projekte bedeutet

Bei Logic Energy beobachten wir diese Entwicklung aufmerksam. Batteriespeicher sind bereits heute fester Bestandteil vieler unserer Projekte – sei es bei Freiflächen-Solarparks, Industrieanlagen oder unseren PV-optimierten Lagerhallen und Carports.

Der neue Momentanreserve-Markt bestätigt einen Trend, den wir seit langem sehen: Speicher werden vom Zusatzprodukt zum strategischen Asset.

Für Investoren, die mit uns zusammenarbeiten, bedeutet das konkret:

  1. Mehr Optionen: Projekte können flexibler gestaltet und an verschiedene Erlösquellen angebunden werden.

  2. Längere Planbarkeit: Festpreisverträge über bis zu 10 Jahre geben zusätzliche Sicherheit.

  3. Zukunftsfähigkeit: Anlagen, die heute gebaut werden, können morgen von neuen Märkten profitieren.

Fazit: Ein Puzzleteil, kein Gamechanger

Der neue Markt für Momentanreserve ist keine Revolution – aber ein wichtiger Baustein für die Wirtschaftlichkeit von Batteriespeichern. Er zeigt, dass das Energiesystem zunehmend Flexibilität honoriert.

Für Investoren lohnt sich ein differenzierter Blick: Die zusätzlichen Erlöse sind real, aber nicht garantiert. Die technischen Anforderungen sind hoch, die regulatorischen Rahmenbedingungen unsicher.

Wer langfristig in PV investiert, sollte Speicher dennoch mitdenken. Nicht nur wegen der Momentanreserve – sondern weil flexible, vielseitig einsetzbare Anlagen die besseren Renditen liefern.

 

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FAQ

  • Momentanreserve ist eine Systemdienstleistung, die das Stromnetz stabilisiert. Sie gleicht Leistungsungleichgewichte innerhalb von Millisekunden bis 30 Sekunden aus – noch bevor andere Regelungsmechanismen greifen. Bisher übernahmen das vor allem fossile Kraftwerke durch ihre rotierenden Massen.

  • Nein. Speicher benötigen netzbildende Wechselrichter und ein entsprechendes Zertifikat. Aktuell erfüllen nur wenige Systeme diese Anforderungen, aber die Technologie entwickelt sich weiter.

  • Im Premium-Segment (90 % Verfügbarkeit) liegt die Vergütung bei 805–888 Euro pro Megawattsekunde und Jahr. Für einen 1-MW-Speicher mit entsprechender Zertifizierung ergibt das rund 20.000 Euro zusätzliche Jahreserlöse.

  • Nein. Schon mit 30 Prozent Leistungsvorhaltung kann das Basisprodukt bedient werden. Die restliche Kapazität bleibt für andere Vermarktungswege verfügbar.

  • Die regulatorischen Rahmenbedingungen – insbesondere die künftige Gestaltung der Netzentgelte. Je nach Ausgang könnten höhere Kosten die zusätzlichen Erlöse deutlich schmälern oder sogar aufzehren.

  • Speicher werden zunehmend wirtschaftlicher und vielseitiger einsetzbar. Der neue Momentanreserve-Markt ist ein weiterer Baustein. Entscheidend bleibt aber die Gesamtkalkulation – ein Speicherprojekt sollte auch ohne diese zusätzlichen Erlöse rentabel sein.

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