Batteriespeicher-Revolution: Warum die KraftNAV-Änderung den PV-Markt auf den Kopf stellt

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226 Gigawatt Batteriespeicher warten auf Netzanschluss. Die geplante KraftNAV-Reform könnte diesen Stau auflösen und massive Investment-Chancen schaffen. Bei historischen Tiefstpreisen von 400-800 €/kWh und Netzentgeltbefreiung bis 2029 öffnet sich ein attraktives Zeitfenster. Doch Vorsicht: Netzdienliche Standorte und frühzeitige Netzanschlusssicherung werden zu kritischen Erfolgsfaktoren. Unsere Analyse zeigt, worauf es jetzt ankommt.

  • Die deutsche Batteriespeicher-Branche steht vor einem Wendepunkt. 226 Gigawatt an Projekten stapeln sich bei Netzbetreibern, blockiert durch die veraltete Kraftwerks-Netzanschlussverordnung aus 2007. Die angekündigte Reform soll diesen Stau kurzfristig auflösen. Parallel dazu hat sich der Markt fundamental gewandelt: Speicher sind vom Luxus zum Standard geworden – 80% aller neuen PV-Anlagen werden damit kombiniert, die Preise sind auf 400-800 €/kWh gefallen.

    Für Investoren bedeutet das: Wer bis 2029 in Betrieb geht, profitiert von der Netzentgeltbefreiung und kann über PPA-Modelle 55-75 €/MWh erzielen. Doch der Wettbewerb verschärft sich. Während Freiflächenanlagen stabil bleiben, kämpft der Privatmarkt mit Rückgängen. Entscheidend werden netzdienliche Standorte mit gesichertem Netzanschluss, professionelle Projektierung und schnelles Handeln. Die nächsten 3-4 Jahre definieren die Marktposition für die kommende Dekade.

Die deutsche Energiewende steht vor einem Wendepunkt. Eine scheinbar technische Verordnungsänderung könnte über 226 Gigawatt blockierte Speicherkapazität freisetzen – und damit neue Milliarden-Chancen für PV-Investoren schaffen. Was Sie jetzt wissen müssen.

Der gordische Knoten ist geplatzt

Stellen Sie sich vor, Sie haben das perfekte Investmentprojekt gefunden: Eine Photovoltaik-Anlage mit Batteriespeicher, optimale Lage, gesicherte Rendite. Doch dann das: Der Netzanschluss wird verweigert oder verzögert sich um Monate. Was wie ein Albtraum-Szenario klingt, ist für hunderte Projektentwickler in Deutschland bittere Realität geworden.

Bis Ende 2024 türmten sich bei den deutschen Übertragungsnetzbetreibern rund 650 Anträge für große Batteriespeicher – mit einer unglaublichen Gesamtleistung von 226 Gigawatt. Zum Vergleich: Das entspricht mehr als dem Doppelten der gesamten aktuell in Deutschland installierten PV-Leistung. Die Netzbetreiber waren schlichtweg überfordert, Anträge stapelten sich, und viele Projekte standen faktisch still.

Jetzt kommt Bewegung in die Sache. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche kündigte Ende November 2025 an, große Batteriespeicher kurzfristig aus der Kraftwerks-Netzanschlussverordnung (KraftNAV) herauszunehmen. Die Botschaft: "Eigentlich reicht die Änderung mit einem Satz, die Speicher rauszunehmen", so Arne Genz, Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium.

Warum diese Änderung ein Game-Changer ist

Die KraftNAV wurde 2007 für Großkraftwerke konzipiert – damals ging man von etwa zehn Anträgen pro Jahr aus. Heute versinken die Netzbetreiber in einer Antragsflut, die nach dem "Windhundprinzip" abgearbeitet werden muss: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Für systemrelevante Projekte oder besonders netzdienliche Speicher gibt es keine Priorisierung.

Die Folge? Allein der Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz hat für den Zeitraum bis 2029 bereits Netzanschlusszusagen für 35 Gigawatt erteilt – darunter 12 Gigawatt für Speicher. Mehr als doppelt so viele Anträge sind noch offen, mit kaum Aussicht auf eine Realisierung vor 2030.

Für PV-Investoren bedeutet das konkret: Projekte mit Batteriespeichern – die eigentlich die Wirtschaftlichkeit deutlich steigern – wurden zum Risikofaktor statt zum Rendite-Turbo.

Der Speicher-Boom: Zahlen, die überzeugen

Trotz aller regulatorischen Hürden boomt der Batteriespeicher-Markt in Deutschland. Die Zahlen sind beeindruckend:

  • 2 Millionen installierte Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von 22 Gigawattstunden (Stand Mitte 2025)

  • 80% aller neuen PV-Anlagen werden mittlerweile mit Speicher installiert

  • Preisverfall von 80% in den letzten 15 Jahren – aktuell 400-800 Euro pro Kilowattstunde

  • 550.000 neue Speicher werden allein 2025 installiert

Besonders interessant für gewerbliche Investoren: Die Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher gilt noch bis August 2029. Wer jetzt investiert, profitiert nicht nur von historisch niedrigen Anschaffungskosten, sondern auch von dieser attraktiven Vergünstigung.

Die neue Investmentlogik: PV + Speicher = Standard

Der Markt hat sich fundamental verändert. Noch vor wenigen Jahren galten Batteriespeicher als "Nice-to-have". Heute sind sie zur Standardkomponente geworden – aus gutem Grund:

1. Höherer Eigenverbrauch, bessere Rendite Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauchsanteil bei etwa 30%. Mit Speicher steigt er auf 60-80%. Bei Strompreisen von rund 30 Cent pro Kilowattstunde und einer sinkenden Einspeisevergütung von nur noch 8 Cent macht das einen enormen wirtschaftlichen Unterschied.

2. Das Solarspitzengesetz ändert die Spielregeln Seit Februar 2025 gibt es keine Einspeisevergütung mehr während negativer Börsenstrompreise. Allein im ersten Halbjahr 2025 gab es 389 solcher Stunden. Ein Speicher wird damit nicht mehr zum Luxus, sondern zur wirtschaftlichen Notwendigkeit.

3. Direktvermarktung als Erlösquelle Moderne Speichersysteme ermöglichen die Teilnahme an Direktvermarktungsmodellen und virtuellen Kraftwerken. Prognosen für PV-PPAs (Power Purchase Agreements) liegen bei 55-75 Euro pro Megawattstunde – deutlich attraktiver als die Einspeisevergütung.

Worauf Sie als Investor achten sollten

Die KraftNAV-Änderung und die Marktdynamik schaffen Chancen – aber auch neue Herausforderungen:

Netzanschluss bleibt kritisch Auch wenn das Verfahren vereinfacht wird: Die physische Netzkapazität bleibt begrenzt. Der entscheidende Erfolgsfaktor wird die Standortwahl und die frühzeitige Abstimmung mit Netzbetreibern sein. Netzdienliche Standorte – dort, wo Speicher das Netz tatsächlich entlasten – werden bevorzugt behandelt.

Timing ist entscheidend Die Netzentgeltbefreiung läuft 2029 aus. Projekte, die bis dahin in Betrieb gehen, sichern sich einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig plant das Bundeswirtschaftsministerium weitere Konsultationen zu Netzanschlussverfahren für das erste Quartal 2026.

Qualität vor Preis Der massive Preisverfall bei Komponenten (20-25% im Jahresvergleich) führt dazu, dass viele Anbieter unter Gestehungskosten verkaufen. Für langfristig orientierte Investoren zählt jedoch die Zuverlässigkeit des Gesamtsystems – nicht der günstigste Einkaufspreis.

Baukostenzuschüsse einplanen Der Bundesgerichtshof hat 2025 bestätigt: Auch für Batteriespeicher sind Baukostenzuschüsse beim Netzanschluss zu zahlen. Diese Kosten müssen von Anfang an in die Kalkulation einfließen.

Die 20.000-Projekte-Pipeline

Ein Blick ins Marktstammdatenregister zeigt: Knapp 20.000 neue Batteriespeicherprojekte sind bereits in Planung. Die Dynamik wird nach der KraftNAV-Reform vermutlich noch zunehmen. Für Investoren bedeutet das:

  • Wettbewerb um attraktive Standorte verschärft sich

  • Professionelle Projektierung wird zum Differenzierungsmerkmal

  • Frühe Netzanschlusssicherung wird zum Wettbewerbsvorteil

Ausblick: Was 2026 bringt

Die deutsche Energiewende beschleunigt sich. Bis 2030 soll die installierte PV-Leistung auf 215 Gigawatt steigen – das erfordert einen jährlichen Zubau von etwa 19 Gigawatt. Batteriespeicher werden dabei zur unverzichtbaren Infrastruktur.

Drei Entwicklungen zeichnen sich ab:

  1. Netzdienlichkeit wird belohnt: Künftige Regelungen werden Speicher an strategisch sinnvollen Standorten bevorzugen

  2. Hybridprojekte werden Standard: Die Kombination aus PV-Freifläche und Großspeicher optimiert Netzauslastung und Rendite

  3. Dezentrale Energiesysteme wachsen: Virtuelle Kraftwerke und lokale Energiegemeinschaften schaffen neue Geschäftsmodelle

Fazit: Die Zeit für kluge Investments ist jetzt

Die KraftNAV-Reform ist mehr als eine technische Anpassung – sie ist das Signal für eine neue Phase der Energiewende. Batteriespeicher entwickeln sich von der Begleitoption zum zentralen Investmentfokus. Die Kombination aus historisch niedrigen Preisen, regulatorischen Verbesserungen und der Netzentgeltbefreiung bis 2029 schafft ein attraktives Zeitfenster.

Doch der Markt wird selektiver. Erfolgreich werden Investoren sein, die auf:

  • Professionelle Projektentwicklung mit fundierter Netzanschlussstrategie setzen

  • Qualität statt Billigstbieter-Mentalität verfolgen

  • Netzdienliche Standorte identifizieren

  • Frühzeitig handeln, um von der Netzentgeltbefreiung zu profitieren

Die nächsten 3-4 Jahre werden entscheidend sein. Wer jetzt die Weichen richtig stellt, sichert sich nicht nur attraktive Renditen – sondern positioniert sich als Teil der Energieinfrastruktur von morgen.

 

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FAQ

  • Die Kraftwerks-Netzanschlussverordnung (KraftNAV) wurde 2007 für große Kraftwerke ab 100 Megawatt entwickelt und regelt das Netzanschlussverfahren nach dem "Windhundprinzip" – wer zuerst beantragt, wird zuerst bearbeitet. Das Problem: Die Verordnung wurde für etwa zehn Anträge pro Jahr konzipiert. Heute stapeln sich allein 650 Anträge für Batteriespeicher mit 226 Gigawatt Gesamtleistung. Die KraftNAV differenziert zudem nicht zwischen systemrelevanten Projekten und spekulativen Anträgen, was dazu führt, dass tatsächlich realisierbare Projekte jahrelang blockiert werden. Die angekündigte Reform soll Speicher aus dieser Verordnung herausnehmen und ein angepasstes Verfahren schaffen.

  • Die Netzentgeltbefreiung für Batteriespeicher läuft am 4. August 2029 aus – allerdings nur für Anlagen, die bis zu diesem Datum in Betrieb genommen werden. Die Ersparnis ist erheblich: Netzentgelte machen typischerweise 20-25% des Strompreises aus. Bei einem durchschnittlichen Strombezug von beispielsweise 6-8 Cent pro Kilowattstunde für den Speicherbetrieb bedeutet die Befreiung eine Kostenreduktion von 1,5-2 Cent pro kWh. Bei einem Großspeicher mit 10 MW Leistung und 20 MWh Kapazität, der täglich einen Zyklus fährt, summiert sich dies auf Einsparungen von über 100.000 Euro pro Jahr. Diese Befreiung gilt allerdings nur für den Strombezug (Laden), nicht für die Einspeisung.

  • Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten, aber es gibt wichtige Überlegungen: Einerseits könnte die Reform Netzanschlüsse beschleunigen und Planungssicherheit erhöhen. Andererseits tickt die Uhr für die Netzentgeltbefreiung – jedes Jahr Verzögerung reduziert die Anzahl der Jahre, in denen Sie von dieser Vergünstigung profitieren. Zudem verschärft sich der Wettbewerb um geeignete Standorte bereits jetzt. Unsere Empfehlung: Beginnen Sie zeitnah mit der Standortsuche und Netzanschlussprüfung, selbst wenn die finale Vertragsunterzeichnung nach der Reform erfolgt. So sichern Sie sich strategisch wichtige Flächen und sammeln bereits wichtige Informationen zur Netzkapazität. Projekte, die heute angestoßen werden, können realistisch 2026-2027 ans Netz gehen und noch viele Jahre von der Befreiung profitieren.

  • Ein netzdienlicher Standort ist einer, an dem der Batteriespeicher das Stromnetz aktiv entlastet statt zusätzlich zu belasten. Konkret bedeutet das: Standorte in Regionen mit hoher erneuerbarer Erzeugung (viele Wind- oder PV-Parks), aber begrenzter Netzkapazität sind ideal, da der Speicher überschüssigen Strom aufnimmt und Abregelungen vermeidet. Auch Standorte nahe großen Verbrauchszentren oder an Netzengpässen sind attraktiv. Um solche Standorte zu identifizieren, empfiehlt sich: (1) Analyse der Netzausbauplanung und Engpassberichte der Netzbetreiber, (2) Gespräche mit dem lokalen Netzbetreiber über bevorzugte Anschlussgebiete, (3) Prüfung bestehender EEG-Anlagen in der Region, die bereits einspeisen, (4) Betrachtung von Redispatch-Daten, die zeigen, wo häufig Netzengpässe auftreten. Künftige Regelungen werden vermutlich netzdienliche Standorte bei der Netzanschlussvergabe bevorzugen.

  • Die optimale Größe hängt von Ihrem Investitionsziel und Ihrer Risikobereitschaft ab. Heimspeicher (5-15 kWh) sind durch die Massenproduktion sehr günstig geworden, bieten aber geringe Skalierung und hohen Verwaltungsaufwand bei Portfolio-Investments. Gewerbliche Speicher (100 kWh - 1 MWh) in Kombination mit PV-Anlagen für Unternehmen bieten attraktive Renditen durch hohen Eigenverbrauch und sind weniger regulatorisch komplex. Großspeicher (1-100 MWh) erzielen die besten Margen durch Arbitragegeschäfte und Systemdienstleistungen, erfordern aber erhebliches Kapital und sind stark von Netzanschlussverfügbarkeit abhängig. Aktuell sehen wir das "Sweet Spot" bei gewerblichen PV-Speicher-Kombinationen (500 kWh - 5 MWh): ausreichend groß für Effizienz, klein genug für zügige Genehmigungen, und sie profitieren sowohl von Eigenverbrauch als auch von der Netzentgeltbefreiung.

  • Baukostenzuschüsse (BKZ) sind Zahlungen, die Anschlussnehmer an Netzbetreiber leisten müssen, wenn für den Netzanschluss Infrastruktur ausgebaut werden muss. Der Bundesgerichtshof hat 2025 klargestellt, dass auch Batteriespeicher – trotz ihrer netzdienlichen Funktion – diese Zuschüsse zahlen müssen. Die Höhe wird nach dem "Leistungspreismodell" berechnet und liegt typischerweise bei 50-150 Euro pro Kilowatt Anschlussleistung, je nach erforderlichem Netzausbau. Für einen 10-MW-Speicher können das 500.000 bis 1,5 Millionen Euro sein. Hinzu kommt eine Reservierungsgebühr von 1.000 Euro pro Megawatt laut KraftNAV. Wichtig: Diese Kosten müssen von Anfang an in die Investitionskalkulation einfließen. Flexible Netzanschlussvereinbarungen, bei denen der Speicher seine Leistung an die Netzsituation anpasst, können die BKZ reduzieren.

  • Die Signale sind vielversprechend: Da die KraftNAV eine Regierungsverordnung ist, kann sie ohne Bundestagsbeteiligung geändert werden – lediglich Kabinett und Bundesrat müssen zustimmen. Der Referatsleiter im Bundeswirtschaftsministerium erklärte bereits, dass "eigentlich ein Satz reicht, die Speicher rauszunehmen". Bayern und Niedersachsen haben im Bundesrat bereits entsprechende Anträge mit "überwältigender Mehrheit" durchgebracht. Das Ministerium plant erste öffentliche Konsultationen für das erste Quartal 2026. Realistisch ist daher eine Umsetzung in der ersten Jahreshälfte 2026. Für Investoren bedeutet das: Die Planungsphase für Projekte sollte jetzt beginnen, denn auch nach der Reform wird die Projektrealisierung 12-24 Monate in Anspruch nehmen. Wer 2027-2028 ans Netz gehen will, muss 2025/2026 mit der Entwicklung starten.

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